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Leise rieselt der Schnee
1998 | ZDF, 30 Minuten






Gerade aus dem Winterschlaf erwacht, und schon in den Fngen einer neugierigen Biologin. Murmeltiertag" im schweizerischen Avers.
Fr den Schweizer Schriftsteller Robert Walser war der Winter zu Beginn des Jahrhunderts ein liebes Vergngen. Ich freute mich ber die Aufgabe, ber das Amt, ber die angenehme Pflicht, die mir vorschrieb, sorgfltig und aufmerksam Notiz vom Schnee und seinen Reizen zu nehmen. Immer wieder beschrieb er den weichen, warmen Schnee, der der Welt Ecken, Spitzen, Kanten nimmt, alles Harte, Grobe, Holprige. Der alles Gerusch, allen Lrm, alle Tne und Schall in sich vereinnahmt und die mannigfaltigen Erscheinungen zu einem einzigen, sinnenden Ganzen verbindet. Es ist das Bild einer gedmpften, unberhrt in sich ruhenden Landschaft, das sich gegen die eigenen Erfahrungen bis heute bei winterlichen Fantasien in den Vordergrund drngt. Es gipfelt darin, dass die gesamte Welt als still und starr empfunden wird.



Film von Sylvia Stasser
und Wolfgang Wrker
Kamera: Niko Stein
Schnitt: Giusi Violani, Eva Voosen
Musik: Anne Brenz und Frank Wolff
Redaktion: Hans Helmut Hillrichs


Sptestens mit der Erfindung der Skier, seit Beginn des Wintertourismus sind Ruhe und Beschaulichkeit der kalten Jahreszeit fast berall verloren gegangen. Mit Seilbahnen lassen sich extrem abweisende Gipfel von jedermann erobern. Die Pracht anhaltender Schneeflle fhrt nur noch selten zu erzwungener Einsamkeit, und hart gefordert sind allenfalls die Rumungsdienste. In der Schweiz wird der freie Zugang selbst zu hchstgelegenen Orten lngst als teurer, aber selbstverstndlicher Kostenfaktor akzeptiert. Schon in den fnfziger Jahren war ein Winter den Kantonen und Gemeinden im Schnitt 200 Millionen Franken wert. Auf glatten Brettern ber glatte Pisten gleiten: dies ist frei nach Wolf Schneider inzwischen die vorherrschende Art, mit den Alpen umzugehen. Lrm statt Stille, Tempo statt friedlicher Ruhe so erleben die Menschen heute in der Regel die kalte Jahreszeit.

Unser Film ber den Schnee entwickelt sich im Spannungsfeld zwischen der alten und der neuen Winterwelt. Dabei ist es das weie, wirbelnde Nichts, das seine Spuren auslegt und uns von einem Schauplatz zum nchsten fhrt. Auch nach Davos, auf Thomas Manns Zauberberg.
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